Die Kraft der Stille

10°C unter Null. Strahlend blauer Himmel. Schneebedeckte Gipfel und Sonnenschein. Ideale Voraussetzung für eine wunderschöne Winterwanderung. Dankbar stelle ich fest: Ich lebe wirklich in einem Paradies. Berge – Natur – Unberührtheit.

Der Zauber der Stille

Die ganze Welt scheint den Atem anzuhalten.
Kein Mensch weit und breit. Nur du und ich. Schon nach wenigen Minuten in der Natur sind wir vollkommen eingetaucht in die weisse Landschaft. In die Stille. Leise stapfen wir durch den tiefen Schnee. Von Zeit zu Zeit bleiben wir stehen und lauschen in die Stille hinein. Wir blicken uns an. Ein leiser Händedruck, ein Lächeln – und Stille. Beide geniessen wir dieses Geschenk des Augenblicks und sind dankbar für das Erleben. Worte sind überflüssig.

Inspiriert von der gleichmässigen Bewegung in absoluter Lautlosigkeit, beginnen meine Gedanken ihre eigene Wanderung.

Die Farbe der Stille

Bei manchen Begriffen sehe ich sofort eine Farbe. Geht es dir auch so? Aber welche Farbe hat Stille? Ist sie schwarz oder weiß? Für mich ist sie nicht bunt. Im Moment ist sie weiß für mich. Sehr weiß und ganz sauber. Und unendlich beruhigend…

Was ist Stille eigentlich?

Für mich ist Stille nicht „nur“ die Abwesenheit von Geräuschen oder starre Bewegungslosigkeit. Auch Schweigen oder Einsamkeit beschreibt es nicht wirklich. Klar, in der Stille wird nicht geredet, und einsam kann ich auch mitten in einer lärmenden Grossstadt sein.
Nur eines ist ganz klar für mich: Stille ist nicht leise. Ich kann sie hören!

Können wir Stille überhaupt noch aushalten?

Ich glaube nicht. Denn eigentlich lassen wir uns doch ständig berieseln. Entweder läuft der Fernseher, oft sogar nur nebenher. Oder überall und ständig ertönt Musik. Oder wir verbringen Stunden in den sozialen Netzwerken und verlieren uns in den Weiten des „world wide web“.

Können wir gar nicht mehr wirklich zur Ruhe kommen? Haben wir das verlernt?
Oder überlassen wir das Kommando unseren inneren Antreibern?
„Stier keine Löcher in die Luft“ – „Du musst doch etwas tun“ – „Häng nicht so rum“…

Oder haben wir Angst davor, uns selbst in der Stille zu begegnen? Denn in ihr findest du zu dir selbst. Du hörst dein Herz, deinen Körper und deine Gedanken.
Was bewirkt Stille? Was macht sie mit mir?
Ich lausche in mich hinein. Ich kann mich hören. Ich bin ruhig. Ich bin bei mir. Ich fühle mich stark. Ich mag sie, die Kraft der Stille!

Stille – ein Gedicht

Weiß.
Die Welt – im Schnee versinken.
Alles gedämpft.
Sauber. Schön.
Rein.

Schwarz.
Die Welt – zur Ruhe kommen.
Schließ die Augen
Dunkel. Schlaf.
Nacht.

Nichts.
Die Welt – einfach genießen.
Nur sehen, fühlen.
Du und ich.
Wir.

Friede.
Die Welt – so vollkommen.
Hör ihr zu.
Alles wird.
Gut.

Foto: © hmk

Scroll to Top