Perfektionismus . Anleitung zum Unglücklichsein?

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Perfektionismus - perfekte Welt?

Träumst du nicht auch manchmal von einer perfekten Welt?
Dem perfekten Leben mit dem perfektem Partner, dem perfekten Job, der perfekten Familie?
Oder davon, die perfekte Figur zu haben, die perfekte Frisur, das perfekte Auto, Haus usw.?
Perfektionismus ist doch eigentlich etwas Tolles, Positives, Erstrebenswertes... Oder etwa nicht?

Nun, es kommt ganz darauf an...

Selbstverständlich ist absolut nichts dagegen einzuwenden, im Beruf oder im Privatleben nach Höchstleistung zu streben.
Es ist auch nicht verkehrt, den Wunsch nach Perfektion als Werkzeug einzusetzen um ein gewisses Ziel in einer bestimmten Qualität zu erreichen. Doch immer in gesunden Maßen.

Der negative Pefektionismus

Der sogenannte „negative“ Perfektionismus und die damit verbundene zwanghafte Kontrollsucht kann die Lebensqualität allerdings erheblich einschränken oder sogar gefährlich sein.

  • Perfektionisten stellen sehr hohe Ansprüche, an sich selbst und an ihre Umwelt. Gut ist nie gut genug – allein die Vollkommenheit zählt.
  • Sie können nur schwer delegieren, da sie glauben, nur wenn sie bestimmte Dinge selbst erledigen, haben diese eine Chance perfekt zu werden. Die daraus resultierende Kontrollsucht baut nicht nur erheblichen Druck bei allen Beteiligten auf, sondern fördert zudem eine Atmosphäre von Mistrauen.
  • Übertriebener Perfektionismus ist die perfekte Anleitung zum Unglücklich-sein. Der Weg zum Scheitern ist vorprogrammiert und der entstandene Teufelskreis schwer zu durchbrechen.
  • Die extrem hohen Erwartungen, die Perfektionisten an sich und andere haben, können selten erfüllt werden. Die Enttäuschung ist quasi vorprogrammiert, ebenso das Gefühl wieder einmal gescheitert zu sein. Logischerweise sind sie dann frustriert und unzufrieden und ihr Selbstwertgefühl sinkt. Doch für die nächsten Projekte setzen sie sich wieder überzogene Ziele – auch um das vorangegangene „Versagen“ wieder gut zu machen. So bewegt sich die Spirale ständig nach unten.
  • Perfektionisten stehen sich oft selbst im Weg.
    Sie stehen ständig unter einem enormen selbstauferlegten, künstlichen Leistungsdruck. Sie sind ungeduldig, unzufrieden und selbstkritisch, sie sind wenig spontan oder flexibel,  sie blockieren ihre eigene Kreativität und sind selten richtig glücklich.

Warum stehen Perfektionisten sich selbst im Weg?

Nun, die Gründe sind vielschichtig und individuell, doch generell gilt:

  • Perfektionisten haben im allgemeinen Angst davor, Fehler zu machen oder zu versagen.
  • Oftmals mangelt es ihnen auch an Selbstbewusstsein und/oder Selbstvertrauen - selbst wenn sie nach außen hin ganz anders wirken.
  • Sie können sich über ihre erzielten Erfolge nicht wirklich freuen, da bereits kleinste Fehler oder Mängel selbstkritisch analysiert werden. Diese (Selbst)kritik überschattet dann und ein ansonsten sehr gutes Ergebnis oder Ereignis vollkommen.
  • Auch Glaubenssätze, die eher hinderlich als förderlich sind, können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

„Nur wenn ich perfekt bin, werde ich geliebt!“
Besser:
„Ich liebe mich selbst so wie ich bin und nehme mich so an. Auch wenn ich Fehler mache, bin ich ein Mensch, der von mir und von anderen geliebt wird!“

 „Nur wenn ich keine Fehler mache, werde ich respektiert!“
Besser:
„Ich bin nur ein Mensch, ich darf Fehler machen. Wir alle machen Fehler und respektieren uns dennoch. Außerdem: Aus Fehlern lernt man!“

Perfekter Imperfektionismus

Wir haben einen Fehler gemacht, vielleicht redet man über uns – na und?
Meistens werden unsere vermeintlich großen Fehler anderen gar nicht so ins Auge stechen wie uns selbst. Wenn doch, wirken wir auf einmal so viel „menschlicher“ – denn Perfektionisten machen es ihrer Umwelt nicht leicht!

Gerne teile ich mit dir noch zwei Zitate, die perfekt zum Thema passen:

„Fehler machen uns ‚ganz’... Es geht nicht darum, alles zu überstrahlen wie die Sonne. Sie ist perfekt, aber sie ist weit weg. Wir hingegen brauchen Nähe. Perfektion schafft Distanz und zerstört unsere persönliche Ausstrahlung.“(Sabine Asgodom) 

„Perfektionsdrang ist eins der wesentlichen Hindernisse, die ich immer wieder beobachte. Und zwar fehlgeleiteter Perfektionsdrang. Nach Perfektion zu streben, ist nicht generell schlecht. Fehlgeleitet ist der Perfektionsdrang, wenn er an der falschen Stelle ansetzt und dadurch mehr blockiert als hervorbringt.“ (Monika Birkner)

Bitte träume weiter von deinem Leben, deinem Partner, deinem Job und deiner Zukunft!
Aber:
Lass los. Atme durch.
Die Welt ist nicht perfekt, du musst es auch nicht sein.
Lass los. Lass Fehler zu.
Bei dir und bei anderen - das macht uns Menschen aus.

Halte „Imperfektionismus“ aus und versuche, ihn zu genießen!

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